Leitlinien und Training lösen das Grundproblem nicht
In Karnevalshochburgen wie Köln oder Düsseldorf verweisen Befürworter von Umzügen mit Pferden auf die im Jahr 2022 eingeführten Leitlinien des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. Diese sehen unter anderem mehrere Punkte an der Zugsstrecke vor, an denen Pferde bei Bedarf aus dem Umzug genommen werden können. Zudem sollen die Pferde regelmäßig auf ihren Einsatz vorbereitet werden – zum Beispiel, indem sie an bestimmte Reize wie Wurfmaterial, Lärm oder Flatterbänder gewöhnt werden. Doch auch diese Maßnahmen ändern nichts an der Tierschutzproblematik. Menschenmengen bleiben unberechenbar. In diesem Falle existiert kein vernünftiger Grund, die Pferde solchen stressigen Erfahrungen auszusetzen.
Stress zeigt sich nicht immer sofort
Ob ein Pferd überfordert ist, lässt sich nicht immer zuverlässig erkennen. Die Tiere können zunächst noch äußerlich ruhig wirken, obwohl sie bereits unter starker Anspannung stehen. Im Trubel können die feinen Signale eines Pferdes leicht übersehen werden. Verantwortliche müssen in Sekunden entscheiden, ob ein Tier noch kontrollierbar bleibt, während der Umzug weiterläuft.
Grundsätzlich braucht Karneval keine Tiere: Musikzüge, Fußgruppen, Tanzformationen und Wagen sorgen auch ohne Pferde für Stimmung. Städte wie Bonn zeigen bereits, dass pferdefreie Umzüge funktionieren. Der Deutsche Tierschutzbund ruft dazu auf, Pferde aus den Zugplänen zu streichen. So lassen sich Unfallrisiken senken und Tiere vor vermeidbaren Extremsituationen schützen, die allein der Unterhaltung dienen.